Ich habe mir gestern einmal auf einem Parkplatz die Bremsscheiben verschiedener Fahrzeuge angesehen. Da kann man schon deutliche Unterschiede sehen. Am auffälligsten waren die Scheiben eines tiefergelegten BMW 330d touring: sehr gut sichtbare Längsriefen. Das sah mir sehr nach arg verschlissenen Bremsklötzen aus.😳 Vielleicht war es aber auch nur eine besonders wirksame Reibpaarung😉.
Regelmäßig kräftiges Bremsen wird die Bremsscheiben von oberflächlichen Belägen wie Flugrost etc. befreien. Wenn sie stellenweise farbig (blau) angelaufen sind, wurden sie zu warm und die Scheiben könnten sogar verzogen sein, was man beim Bremsen am Lenkrad spürt. Wenn die Bremsleistung nachlässt, lässt sich das eigentlich nur am Bremsenprüfstand kontrollieren, den der TÜV ja hat. Eine allmählich sich verschlechternde Bremse wird man im Alltag kaum sicher wahrnehmen. Ein vom TÜV geforderter Bremsscheibenaustausch aufgrund rein optischer Auffälligkeiten, so sie nicht extrem sind, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Hier sollten nur die Messwerte den Ausschlag geben und nicht die Empfehlung des Werkstattmeisters, der einen Auftrag wittert!
Die Ansprüche an die Bremsen sind allerdings mit den Jahren gestiegen. Heutige Fahrzeuge wiegen ca. doppelt soviel (Verdopplung der erforderlichen Bremsleistung) und viele Autos können doppelt so schnell fahren wie in den 70ziger Jahren ( Vervierfachung der erforderlichen Bremsleistung). Das macht dann insgesamt eine 8-fache Bremsleistung gegenüber Autos aus den siebziger Jahren.
Was letztlich zählt, ist doch der Bremsweg aus 100Km/h, wiederholte Bremsungen sowie Bremsungen von Höchstgeschwindigkeit bis zum Stillstand, wobei die Scheibentemperatur unmittelbar danach gemessen werden sollte. Wenn das alles im grünen Bereich liegt, ist alles fein; wenn aber nicht, liegt ein Fehler bei der Auslegung der Bremsanlage vor. Das kann einerseits von der Dimensionierung von Bremsscheiben, Bremssattel oder Bremsbelag abhängen, andererseits von der Reibpaarung der Materialien von Bremsscheibe und Bremsbelag; und natürlich auch vom Verschleißzustand der Komponenten!
Bei Großserienfahrzeugen ist allerdings nicht die kaufmännische Seite zu vernachlässigen, die direkt den Gewinn des Herstellers beeinflussen!
Die Qualitätsdefinition hat sich verändert von „möglichst lange haltbar und gebrauchstüchtig“ hin zu „definierte Laufleistung in Jahren bzw. Laufleistung von z.B. 150000Km“. Das gilt für fast für alle Maschinen, Geräte und Apparate. Ein Rückwärtsgang eines Autogetriebes ist etwa auf für eine Lebensdauer von 30 Minuten bei Nennleistung des Motors ausgelegt. Das klingt etwas unsinnig, gilt aber für viele exakte Definitionen.
Ein gutes Beispiel ist etwa der WLTP-Verbrauch, der im Alltag kaum zu erreichen ist.
Der Testverbrauch eines Fahrzeugs, pilotiert von einem AMS-Mitarbeiters, wird immer höher sein, als mein persönlich erfahrener Verbrauch mit dem gleichen Fahrzeug. Solche Diskussionen sind absolut sinnlos.